Tipps für betroffene Kinder

Liebe Kinder und Eltern!

ich heiße Lilly und ich möchte euch viele interessante Sachen über die Krankheit Tourette-Syndrom erzählen.

Lilly und Tim

Lilly und Tim © WavebreakmediaMicro – Fotolia.com

Tim und ich haben viele Ideen für diese Kinderseiten. Wir müssen jedoch auch zur Schule gehen und Hausaufgaben erledigen, Ihr wisst ja, wie das ist.

Deshalb möchten wir euch um Geduld bitten, denn für all das, was wir euch sagen wollen, brauchen wir viel Zeit.

Mein Cousin Tim hat das Tourette-Syndrom.
Er hatte deshalb schon oft viele Probleme und war noch öfter sehr, sehr traurig. Er dachte, keiner verstehe ihn und niemand habe ihn so richtig lieb.
Das hat mich auch immer sehr traurig gemacht und ich fühlte mich so hilflos.

Nun, dass ihn keiner verstand, das war leider wirklich so. Das Tourette-Syndrom gibt es eher selten und die Tics sehen manchmal schon sehr merkwürdig aus.
Es gab Zeiten, da fuchtelte Tim immer mit den Händen in der Gegend herum, als wollte er eine Fliege verjagen und er machte komische Grimassen. An anderen Tagen machte er immer so komische Geräusche wie Nase hochziehen oder er zwitscherte wie ein Vogel. Manchmal sagte Tim wirklich schlimme Wörter oder er schrie immer laut: Ah!

Viele Leute dachten, Tim wäre nicht ganz richtig im Kopf und auch ich habe mich oft gewundert und mich manchmal sehr erschrocken, als ich ihn so zuckend und schreiend sah.

Lange Zeit sagten seine Eltern und Lehrer immer wieder zu Tim, er solle diese komischen Sachen doch endlich lassen – „das“ wäre nervig, „das“ stört oder „das“ tut und sagt man doch nicht.

Und auch ich habe immer gedacht: „Warum bloß hört Tim damit nicht einfach auf? Das sieht doch doof aus, es hört sich auch dumm an und Ärger bekommt er deshalb doch auch immer.
Ich habe Tim dann auch mal gefragt, warum er nicht einfach damit aufhört.

Seine Antwort hat mich sehr erstaunt.
Er wurde sehr traurig und sagte: „Weisst du Lilly, ich würde sofort damit aufhören, ich möchte das ja gar nicht tun, aber es geht nicht. Das kommt einfach so aus mir heraus und ich kann nichts dagegen tun.“ Nur manchmal, erzählte mir Tim, kann er es für kurze Zeit ein bisschen aufhalten, Aber er sagte mir auch, das wäre etwa so, als müsse ich zur Toilette, und könne nicht gehen, irgendwann kann man es dann nicht mehr zurück halten.

Tim’s Eltern sind mit ihm zu vielen, vielen Ärzten gegangen. Das dauerte über 4 Jahre.
Zuerst war Tim beim Augenarzt, weil er so mit den Augen blinzelte. Danach war Tim beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt wegen seinem Husten und Räuspern. Wegen seiner Grimassen und Bewegungen ging Tim zum Kinder-und Jugendspsychiater. Vor einigen Tagen jedoch besuchte Tim mit seinen Eltern einen Arzt, der wusste, warum Tim so komische Dinge tut.

Dieser Doktor, ein Kinderpsychiater, erklärte Tim und seinen Eltern diese Krankheit, die sich Tourette-Syndrom nennt. Es gibt einige Kinder, diese haben nur sehr wenige Tics, die kaum auffallen. Andere Kinder können mehr und auffälligere Tics haben, die wir mehr sehen und hören. Es ist ungefähr so, wie der Unterschied zwischen einem Schnupfen und einer dicken Grippe.

Später haben mir dann Tims Eltern erklärt, was das Tourette-Syndrom ist und was es bedeutet, daran erkrankt zu sein. So nahm es mir den Schrecken und das Gefühl, Tim sei so richtig krank.

Nun weiß ich, dass Tim ganz normal ist und wir auch ganz normal miteinander umgehen und spielen können. Die Tics übersehe und überhöre ich einfach. Daran habe ich mich schnell gewöhnt. Tim ist nämlich ein ganz toller Cousin und er hat immer so tolle Ideen.

Auf diesen Seiten möchte ich euch erklären, was das Tourette-Syndrom ist und euch zeigen, dass ihr auch mit Tourette ein fast normales Leben führen könnt.

Betroffene Kinder finden viele Informationen, um zu verstehen, was in ihrem Körper passiert und was diese Tabletten, die sie einnehmen, bewirken.