Eltern

Umgang mit Geschwisterkindern

Nicht nur ein von Tourette betroffenes Kind, sondern auch dessen Geschwister brauchen Unterstützung, um mit dieser besonderen familiären Situation umgehen zu können. Belastungen, denen die Familien ausgesetzt sein können:

  • Daueraufmerksamkeit für die Tic-Symptomatik
  • Zukunftsängste im Hinblick auf den Krankheitsverlauf
  • Erziehungsprobleme (erkranktes Kind und gesunde Geschwisterkinder)
  • Abnahme von Sozialkontakten, soziale Isolation
  • Eingeschränkte Alltags- und Freizeitaktivitäten
  • Probleme mit der Fremdbetreuung (z.B. im Kindergarten, Schule)
  • Finanzielle Belastungen
  • Einschränkung ev. Aufgabe der Berufstätigkeit
  • Verlust an Lebensfreude und Unbeschwertheit

Es folgen einige praktische Tipps und Anregungen für den Umgang mit Geschwisterkindern und für die ganze Familie. Natürlich sind diese nicht als Patentrezepte zu verstehen. Jedes Kind ist anders, hat eigene Wünsche und Bedürfnisse und reagiert individuell.

Was Geschwisterkinder brauchen

Gespräche über das Krankheitsbild

Die Geschwister eines Kindes mit Tourette sind meist nicht bei den ärztlichen Untersuchungen dabei und verstehen nicht unbedingt, was es mit der Krankheit auf sich hat.
Sie machen sich aber ihre eigenen Gedanken und neigen dazu, sich selbst für Dinge verantwortlich zu machen. Daher brauchen sie altersgerechte Informationen darüber, was Tourette ist, wie es verursacht wird, welche Symptome auftreten und wie man damit umgehen kann. Das Auffassungsvermögen von Kindern ist natürlich je nach Alter und Entwicklungsstand sehr verschieden und verändert sich mit der Zeit. Daher sollten die Informationen im Laufe der Zeit jeweils auf verschiedene Weise vermittelt werden.

Subtile Zeichen deuten

Kinder können ihre Sorgen und Ängste nicht immer in Worten ausdrücken, teils sind sie ihnen nicht einmal bewusst. Sie zeigen ihre Belastung vielleicht auf stille Weise durch kleine Gesten oder aber durch Wutausbrüche, widersprüchliches Verhalten o.ä. Deshalb ist es wichtig, feinfühlig auf die „Sprache des Kindes“ zu hören.

Auf mögliche Schuldgefühle achten

Gesunde Geschwisterkinder fühlen sich manchmal schuldig, weil ihr Bruder oder ihre Schwester krank ist und sie selbst nicht. Es ist deshalb wichtig, mit dem Kind über die faktischen Hintergründe der Krankheit zu sprechen und ihm zu vermitteln, dass niemand für die Krankheit verantwortlich ist.

Verständnis für Gefühle der Verbitterung

Geschwister von chronisch kranken Kindern fühlen sich häufig vernachlässigt, da das betroffene Kind viel Aufmerksamkeit bekommt und die Krankheit häufig im Mittelpunkt des Familiengeschehens steht. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, dass auch das nicht betroffene Kind persönliche Kontaktzeit mit den Eltern bekommt – also Zeit, die ganz allein ihm und einem Elternteil gehört, um etwas zu unternehmen oder einfach nur zusammen zu sein.

Auf den Druck achten, dem sich das Kind aussetzt

beispielsweise in Schule, Sport oder eigenem Verhalten. Es könnte sonst sein, dass es sich selbst überfordert. Vielleicht möchte es die familiären Belastungen ausgleichen, indem es sehr gute Leistungen in Schule und Sport erbringt oder versucht, ein mustergültiges Kind zu sein, damit die Eltern wenigstens mit ihm keine Sorge haben. Auch können Eltern dazu neigen, zu viel von dem gesunden Kind zu erwarten. Deshalb braucht es stets die Gewissheit, dass seine Eltern stolz sind und es genauso lieben, wie es ist, unabhängig davon, was es tut oder welche Leistungen es erbringt.

Kontakt zu anderen Kindern in ähnlichen Situationen

Es kann eine große Entlastung sein, andere Kinder mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen, sich miteinander auszutauschen und so ein eigenes kleines helfendes Beziehungsnetz außerhalb der Familie zu knüpfen.

Verständnis für die Sorge, auch zu erkranken

Indem man Fakten über die Hintergründe und das gewöhnliche Diagnosealter von Tourette aufklärt, sollte man versuchen, das Kind zu beruhigen und ihm die Angst zu nehmen.

Verständnis für Wut

Es ist ganz natürlich, dass das Geschwisterkind auch manchmal Wut empfindet, beispielsweise einfach über die Tatsache, dass ihr Bruder oder ihre Schwester krank ist, dass er/sie so viel Aufmerksamkeit erhält, dass die Krankheit die Familie so stark beeinflusst und darüber, dass es selbst nichts tun kann, um zu helfen. Gerade weil Geschwister kranker Kinder sehr häufig Rücksicht nehmen und eigene Bedürfnisse zurückstellen müssen, kann Wut ein wichtiges Ventil sein.


Elternkompetenz und Resilienzförderung bei Kindern mit Tic-Störungen

In einer Bachelor-Arbeit wurde in einer qualitativen Studie untersucht, welche Belastungs- und Bewältigungsfaktoren in Familien mit betroffenen Kindern von Ticstörungen vorliegen. Es stellte sich heraus, dass sich die Belastungen neben der Krankheitsbewältigung und dem Umgang mit der Symptomatik, in vielen weiteren Aspekten zeigt, etwa in späten Diagnosestellungen, erfolglosen Therapieversuchen, Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden und Fachkräften, in Schulproblematiken, im Umgang mit Begleiterkrankungen und in familiären Konflikten.

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