https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2849573
Der Artikel berichtet über einen möglichen Durchbruch in der medikamentösen Behandlung des Tourette-Syndroms: den Wirkstoff Ecopipam. Dieser könnte eine wirksame Alternative zu bisherigen Medikamenten darstellen, die häufig erhebliche Nebenwirkungen verursachen.
Was ist neu an Ecopipam?
Ecopipam wirkt als selektiver Dopamin-D1-Rezeptor-Antagonist.
Damit unterscheidet es sich von den bisher üblichen Medikamenten wie Haloperidol oder Aripiprazol, die vor allem an D2-Rezeptoren wirken.
Ziel ist eine Tic-Reduktion bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit.
Ergebnisse der Phase-III-Studie
An der internationalen Studie nahmen 216 Personen ab 6 Jahren teil, überwiegend Kinder und Jugendliche.
Nach einer zwölfwöchigen Behandlung mit Ecopipam wurden diejenigen Patienten weiter untersucht, die ihre Tics um mindestens 25 % verbessern konnten.
Die Patienten wurden anschließend entweder weiter mit Ecopipam behandelt oder auf Placebo umgestellt.
Das Ergebnis: Bei Kindern und Jugendlichen wurde das Rückfallrisiko nahezu halbiert (Hazard Ratio 0,47), wenn die Behandlung mit Ecopipam fortgesetzt wurde.
Verträglichkeit
Besonders bemerkenswert ist das Nebenwirkungsprofil:
Häufigere Nebenwirkungen waren:
Insgesamt wurde das Medikament jedoch als gut verträglich bewertet.
Einschätzung von Experten
Prof. Marcel Romanos (Würzburg) bewertet die Ergebnisse positiv, weist aber darauf hin, dass Ecopipam noch nicht direkt mit anderen Tourette-Medikamenten verglichen wurde.
Prof. Kirsten Müller-Vahl (Hannover) sieht großes Potenzial und hält eine Zulassung in den USA für wahrscheinlich. Sie betont besonders das günstige Nebenwirkungsprofil.
Prof. Veit Roessner (Dresden) erinnert daran, dass Tourette häufig mit ADHS, Zwängen, Ängsten oder emotionalen Problemen einhergeht. Daher könne auch ein neues Medikament die Versorgung nicht allein verbessern.
Fazit
Ecopipam erscheint als einer der vielversprechendsten neuen Wirkstoffe für die Behandlung von Tourette-Tics seit Jahren. Die Studie zeigt:
Experten betonen jedoch, dass Tourette meist mehr umfasst als nur Tics und weiterhin eine umfassende Behandlung mit Verhaltenstherapie, Diagnostik und Begleitung von Begleiterkrankungen notwendig bleibt.
Für die Tourette-Community besonders interessant: Sollte Ecopipam zugelassen werden, wäre es das erste gezielt auf den D1-Rezeptor wirkende Medikament für Tourette und könnte für viele Betroffene eine Alternative darstellen, die bisher unter den Nebenwirkungen klassischer Neuroleptika leiden.