Impressionen vom 11. Workshop für Familien mit Tourette Syndrom

Die Verbreitung des Tourette Syndroms bei Kindern wird auf etwa 1% geschätzt, mit sehr unterschiedlichem Schweregraden. Es ist ein großer Zufall, wenn zwei betroffene Familien direkt in der Nachbarschaft leben. Aber der persönliche Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern ist wichtig. Und aus diesem Grund wurde vom 1. August bis zum 4. August 2019 wieder zum Familienworkshop eingeladen. Wie schon zwei Jahre zuvor ging es auch diesmal in die Jugendherberge Heliand in Oberursel im Taunus.

Neue Familien und alte Bekannte

Acht Familien mit 25 Personen hatten sich diesmal für den Familienworkshop des IVTS e. V. angemeldet. Darunter einige Familien, die sich schon aus den Workshops der vergangenen Jahre kannten und andere, die sich schnell kennen lernten. Nach dem Check-In in der Jugendherberge stand auch bald schon das erste gemeinsame Mittagessen auf dem Programm.

Kennen lernen und Namen merken

Das Nachmittagsprogramm der Erlebnispädagogen vom N.E.W. Institut stand zunächst im Zeichen der Kennenlernspiele. Das Team der Erlebnispädagogen setzte sich dieses Jahr aus Christiane Hechler und Christian Spier zusammen. Die Namen von 25 Personen kennen zu lernen, das geht oft nicht von alleine. Und schon gar nicht sofort. Mit Kennenlernspielen ist das dann einfacher: Zunächst spielten sich die Teilnehmer ihre Namen als Bälle zu und anschließend galt es beim Spiel „schneller als mein Name“, die Gruppe per Sprint zu umrunden, bevor alle anderen Teilnehmer reihum den Namen ausgesprochen hatten.

Das Familienwappen

Erlebnispädagogik orientiert sich an der Natur. Und so wurden auch die Familienwappen aus jenen Materialien hergestellt, die die Natur so bietet. Anschließend galt es, die Familienwappen zu beschreiben. Was bedeuten diese für die eigene Familie? Was ist die Besonderheit unserer Familie? Und was hat das vergangene Jahr so einzigartig gemacht?

Ein Lagerfeuer ohne Feuer

Aufgrund erhöhter Waldbrandgefahr war es leider nicht erlaubt, ein Feuer zu entzünden. Umso leidenschaftlicher war dafür der Lagerfeuergesang am Donnerstag-Abend, der diesmal von zwei Gitarren und einem Saxophon begleitet wurde.

Die Elternrunde mit Dipl.-Psych. Daniel Fesel

Von Freitag-Vormittag bis Samstag-Mittag war der Familienworkshop zweigeteilt. Während die Kinder mit den Erlebnispädagogen des N.E.W. Instituts hinaus in die Wälder zogen, gab es für die Eltern einen interessanten Erfahrungsaustausch mit Dipl.-Psych. Daniel Fesel von der Uni Frankfurt. Die meisten jugendlichen Teilnehmer des Workshops waren zwischen 11 und 13 Jahre alt und so wurde als Schwerpunkt für die Elternrunde treffenderweise das Thema „Tourette und Pubertät“ gewählt. Beide Themen können für sich alleine eine große Herausforderung für die Eltern sein. Aber wie ist das, wenn beides aufeinandertrifft? Weiterhin wurde der Übertritt von der Pubertät zur Adoleszenz diskutiert und auch die Komorbidität von Tourette mit anderen Erkrankungen wurde ein Thema. Schließlich stellte Daniel Fesel noch das lösungsorientierte Denken vor. Bei allen Themen wurde den Eltern viel Freiraum für den Austausch der eigenen Erfahrungen und Beobachtungen eingeräumt. Der Diplom Psychologe brachte dabei die Moderation der Elternrunde und die freie Assoziation der Beteiligten immer wieder in die Balance.

Das erlebnispädagogische Programm für Kinder

Für die jüngeren Teilnehmer stand am Freitag-Vormittag eine Sinnes- und Naturerfahrung im Wald an. Hier konnte die Natur nicht nur mit den Augen betrachtet, sondern auch gefühlt und gehört werden. Ein Erlebnis für alle Sinne. Nach dem Mittagessen konnten sich die Kinder in der Kunst des Bogenschießens und der Slackline mit Jonglage üben. Ein plötzlicher Gewitterschauer verlegte das Programm vorübergehend in das Tiefgeschoss der Jugendherberge. Am Samstag-Vormittag wurde im Wald eine Murmelbahn gebaut. Nach dem Mittagessen gab es dann eine Präsentation des Bauwerks für die Eltern.

Eine Aktion für junge und alte Superhelden

Ob im Kino, im Computerspiel oder im Comic: Kinder lieben Superhelden. Aber warum immer nur passiv die Geschichten anderer Helden konsumieren? Verfügt nicht jeder von uns über irgendwelche Superkräfte? Als Erinnerungsstück an das ausgefüllte verlängerte Wochenende im Taunus wurde am Samstag-Nachmittag ein Superhelden-Film gedreht. Dabei mussten die Teilnehmer vier unsichtbare Kreaturen befreien. Jede der Kreaturen hatte ein paar ungewöhnliche Aufgaben zu bieten. Diese konnten manchmal von einzelnen Kindern, manchmal auch von der ganzen Gruppe gelöst werden. Und ab und zu sprangen auch die Superhelden-Eltern ins Geschehen ein. Wer nicht vor der Kamera agieren wollte, konnte sich als Kameramann oder Kamerafrau einen Namen machen. Am Ende des Abenteuers konnte jedes Kind noch ein paar Superkräfte vorführen, die nicht im Drehbuch standen. Der komplette Film wird den Teilnehmern dann in Kürze als Download zur Verfügung stehen.

Ausklang am Sonntag

Am Sonntag-Vormittag konnten sich die Teilnehmer das Programm selbst gestalten. Ein paar Kinder nutzten noch einmal die Tischtennisplatte und das Volleyballfeld. Aber mehrheitlich war das Bedürfnis nach einem gemütlichen Ausklang des Workshops groß. Es folgte der Austausch von Adressen und Handynummern und bald schon ging es in die Autos. Ob wir uns im kommenden Jahr alle wiedersehen?

Verfasst von Andreas Mettler

Das Projekt wurde im Rahmen der Förderung der Bundesorganisationen der Selbsthilfe durch die Techniker Krankenkasse unterstützt. Wir bedanken uns für diese wertvolle Förderung!

 

 

 

Impressionen 2019


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