Impressionen 10. Workshop für Familien 2018

Termin: 26.07.2018 – 29.07.2018
Veranstaltungsort: Jugendherberge Hohe Fahrt am Edersee

Erlebnispädagogik bedeutet Gruppenerfahrungen in der Natur zu erleben, die eigenen Stärken kennen zu lernen und die persönliche Kreativität zu entfesseln. Und natürlich auch das eine oder andere kleine Abenteuer zu erleben, das man so schnell nicht wieder vergisst. Erlebnispädagogik kann auch ein wichtiges Thema für Familien mit Kindern mit Tourette-Syndrom sein. Der zehnte Workshop für Familien des IVTS fand diesmal am Edersee in Nordhessen in der Jugendherberge Hohe Fahrt in Vöhl/Asel statt. Mit mehr als 30 Teilnehmern war der Familienworkshop 2018 sehr gut besucht.

 

Ein erstes Beschnuppern…

Gegen elf Uhr am Vormittag sammelten sich die ersten Teilnehmer auf dem Gelände der Jugendherberge, die sich direkt am Edersee befindet. Darunter einige alt bekannte Gesichter, die sich über das Wiedersehen freuten, aber auch viele neue Familien, die erstmals am Familienworkshop teilnahmen. Für die Nächtigung standen kleine Holzhütten für drei bis vier Personen zur Option. Nach dem Check-In gab es auch schon einen ersten Austausch der Familien und die „Newcomer“ waren schnell in die Gemeinschaft der tourettebetroffenen Familien integriert.

Kennenlernspiele und (ein bisschen) Bewegung

Nach dem Mittagessen standen auch schon die ersten erlebnispädagogischen Programmpunkte für die ganze Familie auf dem Plan. Hierfür konnten wieder die Erlebnispädagogen des N.E.W. Institut gewonnen werden. In Persona standen uns dieses Jahr Christiane Hechler und Jean-Philippe Becker zur Seite. Bei traumhaft sommerlichen Temperaturen wurden die Bewegungsspiele an einem schattigen Plätzchen mit Blick auf den Edersee auf das Notwendigste reduziert. Doch der Ententanz brachte die Familien in Fahrt und das anschließende Spiel „Mein größter Fan“ war eine gute Hilfe, die Namen aller Teilnehmer kennen zu lernen.

Mit dem „Familienfloß“ durch stürmische Zeiten!

Eine Fahrt mit dem Floß. Nur wenn alle Beteiligten zusammenhalten und ihre Stärken einsetzen, kommt das Floß auch über Wellen und Stürme. Und bei einer Familie ist das nicht anders. Beim Spiel „Familienfloß“ hatten die Familien die Aufgabe, mit wenigen Hilfsmitteln und dem, was die Natur so bietet, einen stabilen Untersatz zu bauen, der die eigene Familie über die Wellen des Alltags führt. Anschließend wurde erzählt, welche Stürme die eigene Familie in letzter Zeit durchschiffen musste und wie diese gemeistert werden konnten.

 

Die Gesprächsrunde für Eltern mit Prof. Dr. A. Rothenberger

Wie kann man dem Tourette-Syndrom therapeutisch begegnen? Welche Ziele kann eine Verhaltenstherapie setzen? Welche Chancen bietet eine medikamentöse Behandlung? Welche therapeutischen Ansätze sind sinnvoll bei einer Ticstörung im Zusammenhang mit ADS oder ADHS? Wie ist der aktuelle Stand der Forschung? Viele wichtige Fragen rund um das Tourette-Syndrom konnten bei der Gesprächsrunde für Eltern mit Prof. Dr. A. Rothenberger angesprochen werden. Fachkundig, geduldig und kompetent stand der ehemalige Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Göttingen den interessierten Eltern mit seinem theoretischen Background und Erfahrungen aus der Praxis zur Seite. Zeitgleich wurde für die Kinder das erlebnispädagogische Programm des N.E.W. Instituts fortgesetzt. Nach dem Abendessen traf sich Alt und Jung zum gemeinsamen Ausklang des Tages am Lagerfeuer.

Stabil wie ein Ei!

Der Freitag begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Und dann trennten sich die Gruppen: Die Eltern konnten ihren Erfahrungsaustausch vertiefen, während die Kinder die Kunst des bruchfreien „Eierfalls“ erlernten. Hierbei war es die Aufgabe, das eigene Ei mit den Utensilien der Natur insoweit „in Watte zu packen“, dass es einen Sturz aus zwei Metern Höhe problemlos übersteht. Jedes Ei bekam natürlich auch einen eigenen Namen und im Anschluss wurden Werbespots für die Eier gedreht. Einige Kinder mit YouTube Erfahrung konnten hier beweisen, welches Talent in ihnen steckt.

Workshops für alle

Nach dem Mittagessen teilten sich die Familien in drei Workshops auf. In der Wellness-Zone wurden Henna-Tattoos gefertigt, die zweite Gruppe übte sich im Bogenschießen und auf den Grünanlagen der Jugendherberge wurden Wildkräuter gesammelt. Erstaunlich, wie interessant, nützlich und gesund all das sein kann, was wir manchmal fälschlich als „Unkraut“ bezeichnen. Aus diesen Köstlichkeiten wurde für das Abendbrot ein leckerer Wildkräuter-Pesto Brotaufstrich hergestellt. Als Nachtisch gab es leckere Wildkräuter mit Schoko-Minzgeschmack. Wer wollte, konnte sich vorher noch im Freibad eine Abkühlung abholen.

 

Lagerfeuergesang und „Anti-Versteckis“

Nach dem Abendessen ging es wieder ans Lagerfeuer. Diesmal allerdings mit Gitarre und Liederbuch. Songs aus unterschiedlichen Jahrzehnten brachten musikalischen Spaß für Alt und Jung, während einige „Feuerwächter“ darüber wachten, dass auch bei einsetzender Dunkelheit immer ein Licht im Mittelpunkt der Gruppe brannte. Anschließend wurde noch „Anti-Versteckis“ gespielt. Im Gegensatz zum bekannten Versteckspiel gibt es hier nur eine Person, die von der ganzen Gruppe gesucht wird. Wer fündig wird, kommt mit in das Versteck.

Ausbruch aus dem Hühnerstall

Am Samstag-Vormittag stand wieder ein Spiel für alle Teilnehmer an: Der Ausbruch aus dem Hühnerstall. Nur durch gute gemeinschaftliche Koordination und Teamgeist war es möglich, die Workshopteilnehmer in ihrer Rolle als Hühner aus ihrem Stall zu befreien. Da wurden nicht nur Kinder über menschliche Brücken über den Zaun gehoben, sondern der auch der eine oder andere erstaunte Erwachsene.

Die große Kanutour

Schon am Vormittag wurden die Kanus angeliefert. Nach dem Abladen der Kanus gab es eine umfassende Einweisung in die Benutzung der Schwimmwesten und der Boote. Außerdem lernte die Gruppe, wie ein gekipptes Kanu wieder aufzurichten ist. Eine Lektion, die glücklicherweise an diesem Tag nicht in die Praxis umgesetzt werden musste. Nach der Verabschiedung der Erlebnispädagogen des N.E.W. Instituts ging es am Nachmittag dann los: Die Kanus wurden zu Wasser gelassen. Der Edersee hatte aufgrund des trockenen Sommers schon beträchtlich Wasser verloren und so mussten die Boote zunächst über das erweiterte Ufer befördert werden. Nach anfänglichem Zögern waren die Bootsfahrer aber alle bereit, sich auch auf dieses Abenteuer einzulassen. Je weiter die Kanutour führte, desto wasserreicher wurde auch der Edersee und desto schöner die umliegenden Naturlandschaften. Vorbei am „Edersee-Atlantis“ mit einer alten Brücke, die an heißen Sommern wieder aus dem Wasser ragt, ging es zum Zwischenstopp an Land zum Badespaß im See. Auf der Kanutour wurden auch die Familienflöße zu Wasser gelassen. Wohlbehalten und mit einem Koffer voller neuer Eindrücke und Erlebnisse kehrte die Gruppe nach ungefähr zweieinhalb Stunden wieder zur Jugendherberge zurück. Dann folgte noch eine große Säuberungsaktion der Kanus (und der eigenen Füße) und die Teilnehmer des Familienworkshops waren um ein Abenteuer reicher.

„Was? Schon vorbei?“

Am Sonntag wurde nach dem Frühstück schon ausgecheckt. Eine lockere Feedbackrunde beendete das Programm des IVTS e.V. und bald schon hieß es Abschied nehmen. Die Zeit war in den ereignisreichen Tagen schnell verflogen und so mancher Muskelkater machte sich am Tag nach der Kanutour bemerkbar. Schnell wurden noch einige Kontaktdaten getauscht und lange Umarmungen zum Abschied zeigten die gewachsene Verbundenheit der Teilnehmer. „Kennen wir uns wirklich erst drei Tagen? Das kann doch nicht sein!“ Der Familienworkshop des IVTS war an seinem Ende angekommen. Doch genau an diesem Punkt beginnt auch schon wieder die Vorfreude auf das Wiedersehen im nächsten Jahr.

verfasst von Andreas Mettler

Das Projekt wurde im Rahmen der Förderung der Bundesorganisationen der Selbsthilfe durch die Techniker Krankenkasse unterstützt. Wir bedanken uns für diese wertvolle Förderung!

Techniker


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