Prävalenz

Krankheitshäufigkeit Tic-Störungen & Tourette Syndrom

Die Prävalenz bedeutet Krankheitshäufigkeit und sagt aus, wie viele Menschen an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind. In der Regel kann die Prävalenz einer Krankheit bzw. Störung nur geschätzt werden.

Eine Erkrankung gilt in der EU als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen in der EU von ihr betroffen sind. Das Tourette Syndrom zählt heute nicht mehr zu den seltenen Erkrankungen.

Epidemiologische Untersuchungen schätzen die Häufigkeit von Tics, insbesondere im Kindesalter, höher ein als bisher angenommen. Die bisher angenommen Betroffenenzahlen für das Tourette Syndrom (40 – 80 Tausend in Dtld.) wurden korrigiert.
Ausgehend von 82 Mio. Einwohnern in Deutschland ergeben sich folgende geschätzte Zahlen:

Tourette Syndrom
DGN Leitlinien 2012
Prävalenz: ca. 1 % der Gesamtbevölkerung
ca. 805.240 Betroffene
DGN Leitlinien 2008
Prävalenz: zwischen 35-72 / 10.000 Einwohner
0,35% – 0,72 % der Gesamtbevölkerung
287.000 – 574.000 Betroffene
DGN Leitlinien 2005
Prävalenz: zwischen 26-150 / 10.000 Einwohner
0,26% – 1,5 % der Gesamtbevölkerung
213.200 – 1.230.000 Betroffene
Alle Ticformen
DGN Leitlinien 2005
Prävalenz: 660 / 10.000 Einwohner
6,6% der Gesamtbevölkerung
5.412.000 Betroffene

S3 – Leitlinien Tic-Störungen wurden 2017 angemeldet: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/028-025.html
Nach dem System der AWMF werden Leitlinien in vier Entwicklungsstufen von S1 bis S3 entwickelt und klassifiziert. Die S3 – Leitlinien weisen die höchste Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik aus.

Nach Schätzungen treten bei etwa 4-12 % aller Grundschüler zu irgendeinem Zeitpunkt Tics auf (Verhaltenstherapiemanual: Kinder und Jugendliche pp 305-308, 2020).

Die bisher weltweit durchgeführten Studien ergaben unterschiedliche Prävalenzraten, die vermutlich in erster Linie auf methodische Unterschiede zurückzuführen sind. Die Definition des Tourette Syndroms wurde in den vergangenen Jahren weltweit mehrfach überarbeitet und verändert.

Die ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Das DSM-IV ist ein nationales Klassifikationssystem der Vereinigten Staaten von Amerika und beinhaltet speziellere und genauere diagnostische Kriterien. Der DSM-IV berücksichtigt im Gegensatz zur ICD-10 geschlechtsspezifische Unterschiede. Das alles macht es für die Forschung sehr interessant, jedoch für die Untersuchungen der Prävalenzen und Diagnostik sehr schwierig.

Da die Ursachen für Tics bisher noch unklar sind, ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft mit zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnissen weitere Änderungen der Definitionen geben wird.

Eine Erkrankung ist dann als selten einzustufen, wenn es in Deutschland nicht mehr als ca. 40.000 Menschen gibt, die betroffen sind.

 

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