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Schüler mit Tics können für Lehrer eine große Herausforderung sein. Vor allem in großen Schulklassen und in Kombination mit anderen auffälligen Kindern. Die straffen Lehrpläne müssen trotzdem eingehalten werden. Da fehlt oft die Zeit, sich intensiv um ein einzelnes Kind zu kümmern. Und täglich kommen neue Aufgaben auf die Lehrer zu. Auch solche, für die sie nicht ausgebildet sind. Für die Gesellschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Lehrer das alles bewältigt.

Das Krankheitsbild des Tourette Syndroms ist heute kein Fremdwort mehr, aber viele Lehrer waren bisher nicht unmittelbar damit konfrontiert. In der pädagogischen Ausbildung spielt Tourette keine wichtige Rolle.

Ein Kind, das im Unterricht tickt? Wie soll ich als Lehrer mit dieser Situation umgehen? Einfach den Tic verbieten? Das kann wohl kaum die Lösung sein. Vor allem, wenn es noch keine offizielle Diagnose gibt, dann stellt sich für Eltern und für die Pädagogen Ratlosigkeit ein. Es ist auch nicht einfach, sich im heterogenen Kollegium für ein solches Kind einzusetzen.

Tourette ist eine neuro-psychiatrische Erkrankung des Gehirns. Unwissenheit kann aber zu Fehlinterpretationen führen. Viel zu schnell werden fehlerhafte Schlüsse gezogen. So etwa

  • Das Kind versucht, Aufmerksamkeit zu bekommen
  • Das Kind ist nicht krank. Es kann ja auch einige Zeit unauffällig sein.
  • Das Kind tickt, weil es sich im Stress befindet. Vielleicht haben sich die Eltern getrennt oder es gibt Konflikte in der Partnerschaft?
  • Das Kind möchte absichtlich den Unterricht stören
  • Das Kind ist einfach schlecht erzogen.

Dem Klassenlehrer kommt eine Schlüsselposition bei der Lösung des Problems zu. Ein guter Ansatz ist der „runde Tisch“ mit allen Beteiligten. Er hat natürlich auch seine Grenzen. Denn eigentlich gehören Lehrer, die Schulleitung, der Arzt, die Therapeuten und die Eltern mit an diesen Tisch. Gar nicht so einfach, das immer zu realisieren. Vor allem in akuten Problemsituationen ist das aber ein guter Weg, möglichst viele Beteiligte zusammen zu führen. Auch der Zeitaufwand ist geringer als beim Einzelgespräch.

Durch den runden Tisch wird für die Lehrkräfte vieles deutlicher. Vor allem dann, wenn sie das erste Mal mit der Erkrankung konfrontiert sind. Der runde Tisch trägt dazu bei, Verständnis, Vertrauen und die Zusammenarbeit zu stärken.

Der Nachteilsausgleich

Eine sinnvolle Maßnahme kann auch die Anwendung des Nachteilsausgleichs sein. Auf diese Weise kann dem betroffenen Schüler der Unterricht erleichtert werden.

Die Rechtsgrundlage des Nachteilsausgleichs kommt aus der Sonderpädagogik. Der Nachteilsausgleich wird bei Legasthenikern und bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen angewendet. Aber er ist auch für Kinder mit Tics sinnvoll. Die Art und der Umfang des Nachteilsausgleich werden vom Schulleiter in Kooperation mit den unterrichtenden Lehrern festgelegt.

Hier finden Sie Details zum Nachteilsausgleich


Finden Sie die richtigen Lern und Arbeitsbedingungen

Kinder mit Tics können dann schulische Erfolge erzielen, wenn die Lern- und Arbeitsbedingungen stimmen. Es liegt an den Lehrern, diese Bedingungen zu schaffen. Die ganze Schulklasse ist von den Tics betroffen, sie sollte in die Entwicklung der Rahmenbedingungen mit einbezogen werden. So kann es etwa zu einer Regel werden, dass der betroffene Schüler den Klassenraum für kurze Zeit verlassen kann, wenn die Tics zu störend werden. Leichte Tics sollten vom Lehrer und der Schulklasse nach Möglichkeit ignoriert werden.

Der Lehrer sollte der Schulklasse das Krankheitsbild gut erklären. Vielleicht kann das auch der betroffene Schüler selbst tun, wenn er sich dafür stark genug fühlt? Dann ist es für die Schulklasse kein Problem, die Regeln und Änderungen zu akzeptieren. Die Sonderrechte sollten nicht zum Neid führen. Ein harmonisches Schulklima kann die Symptomatik positiv beeinflussen.

Die Schulzeit ist für Kinder mit Tics oder Tourette-Syndrom oft eine schwere Zeit. Manche Kinder wurden in der Vergangenheit zu Unrecht in eine Förderschule abgeschoben. Tatsächlich verfügen Kinder mit Tourette-Syndrom oft über vielfältige Begabungen, die auch ein erfolgreiches Berufsleben versprechen. Es wäre schade, wenn wir diese Potenziale nicht nutzen. Schüler mit Tics können intelligente, liebenswerte und Hilfsbereite Kinder und Jugendliche sein. Sie verfügen häufig über eine erstaunliche Spontanität und Kreativität. Das kann eine Bereicherung für jede Schulklasse sein.

Nutzen Sie das offene Gespräch mit allen Beteiligten. Lernen Sie die Positionen der unterschiedlichen Parteien kennen und entwickeln Sie gemeinsam passende Lösungen. Tics im Unterricht sind eine Herausforderung. Aber diese Herausforderung ist lösbar.

 

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