Tourette-FamilienZeit 2026

Gemeinsam erleben, austauschen und neue Kraft schöpfen

06.–09. August 2026 | Jugendherberge Hoherodskopf
Vier Tage raus aus dem Alltag, andere Familien kennenlernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam eine unbeschwerte Zeit verbringen: Anfang August kamen 12 Familien zur 17. Tourette-FamilienZeit des IVTS e. V. in der Jugendherberge Hoherodskopf zusammen.
Die FamilienZeit bietet Kindern und Jugendlichen mit Tourette-Syndrom, ihren Geschwistern und Eltern einen besonderen Rahmen. Hier treffen Familien auf Menschen, die viele ihrer Erfahrungen aus dem Alltag kennen und verstehen. Neben gemeinsamen Aktivitäten stehen deshalb der persönliche Austausch, gegenseitige Unterstützung und das Erleben von Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Ankommen, Kennenlernen und fachlicher Austausch
Am Donnerstagnachmittag hieß es zunächst: ankommen und kennenlernen. Nach der Begrüßung sorgten verschiedene Spiele und Gruppenaktionen dafür, dass sich Kinder, Jugendliche und Eltern schnell näherkamen. Mit einem Familien-Standbild, einer Landkarten-Aufstellung und verschiedenen Kennenlernspielen startete die Gruppe gemeinsam in die FamilienZeit.
Für die Kinder und Jugendlichen begann anschließend bereits ihr eigenes erlebnispädagogisches Programm. Bei Spielen und Kooperationsaufgaben wie „Stargate“, einer Rallye mit erlebnispädagogischen Aufgaben und weiteren von den Kindern selbst eingebrachten Spielideen stand der Spaß in der Gruppe im Vordergrund.
Ein besonderer Programmpunkt für die Eltern war am Donnerstag ein zweistündiger digitaler Austausch mit Prof. Dr. Baldermann von der Uniklinik Freiburg. Die Eltern nutzten die Gelegenheit intensiv, Fragen zu stellen und sich zu verschiedenen Themen rund um Tic-Störungen und Tourette-Syndrom auszutauschen. Von diesem fachlichen Austausch profitierten die teilnehmenden Eltern in besonderem Maße.
So zeigte sich bereits am ersten Tag, was die FamilienZeit auszeichnet: Während die Kinder und Jugendlichen Gemeinschaft erleben und eigene Erfahrungen sammeln können, erhalten die Eltern Raum für Information, Austausch und Gespräche.

Gemeinsam aktiv werden
Der Freitag begann mit einem gemeinsamen Programm für alle. Bei verschiedenen Spielen und erlebnispädagogischen Kooperationsaufgaben wie der „NEW Pipeline“ und der Wasserpipeline waren Teamgeist, Kommunikation und gemeinsames Ausprobieren gefragt.
Am Nachmittag trennten sich die Wege von Eltern und Kindern bewusst für einige Stunden.
Während die Kinder und Jugendlichen ihr eigenes abwechslungsreiches Programm mit Waldhausbau, Henna, Basteln, Forscherstationen, Schnitzeljagd und Freispiel genossen, kamen die Eltern zu einer eigenen Austauschrunde zusammen. Das Kinderprogramm bot dabei viel Raum für Kreativität, Bewegung und eigene Interessen.

Die Elternrunde war von intensiven und persönlichen Gesprächen geprägt. Erfahrungen aus dem Familienalltag konnten geteilt, Herausforderungen angesprochen und Gedanken mit anderen Eltern ausgetauscht werden, die viele Situationen aus eigener Erfahrung kennen.
Gerade dieser Austausch auf Augenhöhe ist ein wichtiger Bestandteil der FamilienZeit. Zu erleben, mit bestimmten Fragen und Herausforderungen nicht allein zu sein, kann entlasten und gleichzeitig neue Perspektiven für den eigenen Alltag eröffnen.
Für die Kinder und Jugendlichen wartete am Abend mit dem Bogenschießen noch ein weiteres besonderes Erlebnis.

Zeit für die Kinder und Jugendlichen
Auch der Samstag begann zunächst gemeinsam. Nach einem Check-in und verschiedenen Gruppenaktionen ging es unter anderem in eine Stationen-Rallye. Anschließend entstand aus gesammelten Naturmaterialien gemeinsam ein Gruppenmandala. Diese Programmpunkte sind auch im Verlaufsbericht des pädagogischen Teams dokumentiert.
Ein wichtiger Bestandteil des Samstags war anschließend eine eigene Austauschrunde für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die von Hermann und Carmen moderiert wurde.
Hier hatten sie die Möglichkeit, untereinander über ihre Erfahrungen zu sprechen. In einem geschützten Rahmen konnten Themen zur Sprache kommen, die sie im Alltag beschäftigen. Gerade der Austausch mit anderen Kindern und Jugendlichen, die Tics aus eigener Erfahrung kennen, ist etwas, das außerhalb einer solchen Freizeit nicht selbstverständlich ist.
Nicht erklären zu müssen, warum man ticct, und zu erleben, dass andere ähnliche Situationen kennen, schafft eine besondere Form von Gemeinschaft und Verständnis.

Freiraum gehört dazu
Nach den vielen gemeinsamen Aktivitäten und Gesprächsrunden stand der Samstagnachmittag bewusst zur freien Gestaltung zur Verfügung.
Die Familien konnten selbst entscheiden, wie sie diese Zeit verbringen wollten – gemeinsam etwas unternehmen, sich zurückziehen, die Umgebung genießen oder einfach die inzwischen entstandenen Kontakte vertiefen.
Auch solche Freiräume gehören zu einer Familienfreizeit. Nicht jede Minute muss mit Programm gefüllt sein. Gerade in den ungeplanten Momenten entstehen oft besonders wertvolle Begegnungen und Gespräche.

Gemeinsam den letzten Abend genießen
Am Samstagabend kam noch einmal die gesamte Gruppe zum gemeinsamen Grillen zusammen.
In entspannter Atmosphäre wurde gegessen, gelacht und erzählt. Viele Gespräche der vergangenen Tage wurden weitergeführt, neue Kontakte vertieft und die gemeinsame Zeit langsam zum Abschluss gebracht.
Nach mehreren Tagen miteinander war aus den zunächst vielen einzelnen Familien eine Gemeinschaft entstanden. Kinder hatten andere Kinder kennengelernt, Jugendliche Kontakte geknüpft und Eltern Menschen gefunden, mit denen sie Erfahrungen teilen konnten, ohne vieles erst erklären zu müssen.

Austausch, Verständnis und Gemeinschaft
Die FamilienZeit möchte weit mehr sein als ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm.
Kinder und Jugendliche mit Tourette-Syndrom sollen erleben können, dass ihre Tics hier selbstverständlich dazugehören und sie mit ihren Stärken und Interessen wahrgenommen werden. Gleichzeitig erhalten Geschwister ihren Platz und Eltern die Möglichkeit, sich mit anderen Familien auszutauschen.
Das pädagogische Team stellte sich dabei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ein. Im Feedback wurde insbesondere das Eingehen auf die Kinder und der liebevolle Umgang mit ihnen positiv hervorgehoben. Gleichzeitig gab es wertvolle Anregungen für kommende Familienfreizeiten zum Programmablauf sowie mehr eigener Raum und Fokus für die Jugendlichen.
Diese Rückmeldungen nehmen wir gerne mit. Denn die FamilienZeit lebt nicht nur von einem vorbereiteten Programm, sondern ebenso von den Menschen, die daran teilnehmen und sie mitgestalten.

Abschied – und hoffentlich ein Wiedersehen
Am Sonntagmorgen hieß es nach dem gemeinsamen Frühstück für die meisten Familien Abschied nehmen.
Nach vier intensiven Tagen ging es wieder nach Hause – mit vielen Erlebnissen, Gesprächen und neuen Kontakten im Gepäck.
Was von einer solchen FamilienZeit bleibt, lässt sich nur schwer in einem Programmplan festhalten: das Gefühl, verstanden zu werden; Gespräche mit anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen machen; Kinder, die erleben, dass sie mit ihren Tics nicht allein sind; neue Bekanntschaften und vielleicht auch Freundschaften.
Und so war beim Abschied neben etwas Wehmut vor allem ein Wunsch zu spüren:

Wir möchten uns im nächsten Jahr wiedersehen!

Für uns als IVTS e. V. ist genau das eine besonders schöne Rückmeldung. Die Tourette-FamilienZeit schafft einen Raum, in dem Selbsthilfe ganz unmittelbar gelebt wird – durch Begegnung, Erfahrungsaustausch, gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Erlebnisse.
Wir bedanken uns herzlich bei allen 12 Familien, die unsere Tourette-FamilienZeit 2026 mit Leben gefüllt haben, bei unserem pädagogischen Team sowie bei allen Mitwirkenden, die diese besonderen Tage möglich gemacht haben.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei der nächsten Tourette-FamilienZeit!

Wir bedanken uns auch bei der GKV-Gemeinschaftsförderung Selbsthilfe auf Bundesebene für die finanzielle Förderung.

GKV-Verbände