Tourette Syndrom versus funktionelle Bewegungsstörung

Funktionelle Bewegungsstörung oder Tourette Syndrom? Die Symptome können sich sehr ähneln, und doch sind es zwei unterschiedliche Erkrankungen. Die Abgrenzung funktioneller Bewegungen von Tics beim Tourette Syndrom, die Erforschung der Ursachen und die Behandlung dieser funktionellen Bewegungsstörung sind ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung.
Aufgrund Social Media stellen sich seit etwa zwei bis drei Jahren häufig Patienten in den Tourette Sprechstunden vor, die etwa im Alter ab 12 Jahren plötzlich funktionelle Tics (Bewegungen und Lautäußerungen) zeigen. Im Unterschied zum Tourette Syndrom treten die Tics oftmals von einem Tag auf den anderen auf, oft heftige körperliche Tics und vollständige Sätze. Nach nur wenigen Tagen oder Wochen folgen sogenannte Koprophänomene. Gemeint ist das Äußern von Schimpfwörtern und Beleidigungen. Diese Betroffenen zeigen noch weitere Symptome, die nicht dem Tourette Syndrom zugeordnet werden, wie zum Beispiel das Herumwerfen/Herunterwerfen von Gegenständen und Lebensmitteln oder das Überschütten mit Flüssigkeiten, oder auch das Schlagen, Zwicken oder Ausziehen anderer Personen.

Die Unterscheidung, Tourette Syndrom oder funktionelle Bewegungsstörung, kann eine diagnostische Herausforderung darstellen. Für eine adäquate Therapie ist diese Differenzierung aber unbedingt notwendig. Die Therapie erfolgt nicht wie oftmals beim Tourette Syndrom medikamentös, sondern durch eine gezielte Psychotherapie.

Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl

Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl leitet seit ca. 25 Jahren die Tourette Spezial-Sprechstunde an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Seither wurden mehr als 2000 Kinder und Erwachsene beraten und behandelt. Die Sprechstunde gilt deshalb als die größte dieser Art in Deutschland. Unter der Leitung von Frau Prof. Kirsten Müller-Vahl wurden in den vergangenen Jahren viele wissenschaftlichen Studien zu den klinischen Aspekten, neuen Therapieansätzen und den Ursachen des Tourette-Syndroms durchgeführt.

Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl ist Präsidentin der Europäischen Tourette-Gesellschaft ESSTS (European Society for the Study of Tourette Syndrome). Außerdem ist sie die 1. Vorsitzende der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ (IACM) und ebenso der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM). Sie übernimmt  federführend die Organisation internationaler Kongresse. Darüber hinaus ist sie an der Erstellung von Behandlungsleitlinien und der Weiterbildung und Information zum Tourette-Syndrom beteiligt. Die enge Zusammenarbeit mit den nationalen und europäischen Selbsthilfe-Organisationen liegt ihr sehr am Herzen. Sie ist die Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats der Tourette-Gesellschaft Deutschland (TGD) e. V..

Frau Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl: Tourette Syndrom versus funktionelle Bewegungsstörung


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