Workshop für Familien mit Tourette Syndrom 2025

Erlebnispädagogisches Wochenende für Familien mit Tourette-Syndrom
Ort: Jugendherberge Feldberg, 79868 Feldberg (Schwarzwald)
Datum: 31.07.25 – 03.08.25
Teilnehmende: 11 Familien mit Kindern/Jugendlichen, die das Tourette-Syndrom haben

Ein Wochenende lang den Alltag hinter sich lassen. Zeit haben – füreinander, für neue Erfahrungen, für echte Begegnung. Genau das war, wie all die Jahre zuvor, die Idee hinter unserem erlebnispädagogischen Wochenende für Familien mit Kindern, die das Tourette-Syndrom haben. Eingebettet in die idyllische Landschaft des Schwarzwaldes, umgeben von Wald, Wiesen und frischer Bergluft, bot die Jugendherberge Feldberg den perfekten Rahmen für ein gemeinsames Abenteuer, das geprägt war von Offenheit, Neugier, Zusammenhalt – und trotz des fast durchgehend nassen Wetters – ganz viel Wärme.

Ziele und Hintergründe

Das Tourette-Syndrom stellt betroffene Familien im Alltag häufig vor große Herausforderungen – sei es im schulischen Umfeld, in der Öffentlichkeit oder im privaten Miteinander. Umso wertvoller ist es, Gelegenheiten zu schaffen, in denen sich Eltern, Kinder und Jugendliche in einer wertschätzenden und verstehenden Gemeinschaft begegnen können – ohne Vorurteile, ohne Erklärungsdruck, aber mit Raum für Austausch, für neue Impulse und gemeinsames Erleben.
Ziel des Wochenendes war es daher, durch erlebnispädagogische Angebote, fachlichen Input und kreative Aktivitäten die Familien zu stärken, Verbindungen zu ermöglichen und Impulse für den Alltag mitzunehmen.


Ablauf des Wochenendes

Donnerstag – Ankommen und Ankommen dürfen
Der erste Tag begann am Donnerstagnachmittag mit einer herzlichen Begrüßung in der Jugendherberge Feldberg. Bei Kaffee und Kuchen trafen die teilnehmenden Familien als Gruppe erstmals aufeinander. Die Atmosphäre war bereits beim Ankommen offen und freundlich – viele waren neugierig, andere vielleicht noch etwas zurückhaltend. Doch schon nach wenigen Gesprächen spürte man: Hier begegnen sich Menschen, die verstehen, was der andere meint – ohne dass viele Worte nötig sind.

Während die Eltern ihre Zimmer vorbereiteten, konnten sich die Kinder und Jugendlichen direkt ins Abenteuer stürzen: Mit den zwei erfahrenen Erlebnispädagogen vom N.E.W. Institut, Cathrin Metzger und Norbert Olbrich, ging es zum Bogenschießen – eine Aktivität, die nicht nur Zielgenauigkeit, sondern auch Konzentration und Körperbewusstsein fördert. Besonders schön zu beobachten war, wie die Kinder sich gegenseitig motivierten, unterstützten und ganz selbstverständlich als Gruppe zusammenfanden.

Am Abend fand eine lockere Austauschrunde mit Frau Prof. Nickel vom Universitätsklinikum Freiburg statt. In vertrauensvoller Atmosphäre konnten die Eltern erste Themen ansprechen, Fragen stellen und sich auf Augenhöhe begegnen.
Parallel dazu gestaltete die Kindergruppe ihren eigenen Abend – mit kreativen Henna-Tattoos, die mit Begeisterung aufgenommen wurden und so manches Kind mit einem kleinen Kunstwerk auf der Haut strahlen ließen.


Freitag – Gemeinschaft und Gespräche
Der Freitag begann aktiv: Auf dem malerischen Hebelweg am Feldberg startete für die Kinder und Jugendlichen eine spannende Schnitzeljagd. Der Weg führte die Gruppe entlang eines plätschernden Baches, über kleine Brückchen und durch die idyllische Natur. Unterwegs lösten sie knifflige Rätsel, tauschten sich über Funkgeräte aus, trafen Absprachen und tüftelten gemeinsam die entscheidenden Koordinaten, die zum Schatz führten aus. Mit Hilfe eines GPS-Geräts folgten sie der Spur – bis sie schließlich den ersehnten Schatz in den Händen hielten. Ganz nebenbei erfuhren sie noch etwas über verschiedene Pflanzen die da auf der Wiese und am Wegesrand wuchsen (Wilder Thymian, Ferkelkraut, Schafgarbe, Sauerklee, Farn, Himbeeren, Brombeeren und Blaubeeren …).

Währenddessen trafen sich die Eltern zu einer intensiven und moderierten Austauschrunde über das Leben mit Tics. Es wurde offen über Herausforderungen gesprochen – etwa über schulische Schwierigkeiten, soziale Unsicherheit oder Unverständnis im Umfeld. Im Mittelpunkt standen dieses Mal praktische Themen: Ansprüche aus der Pflegeversicherung, der Umgang mit Anträgen auf Schwerbehinderung, aber auch Fragen zu Unterstützungsangeboten und alltäglicher Entlastung. Der fachlich begleitete Austausch wurde von den Eltern als sehr hilfreich und stärkend wahrgenommen.

Am Nachmittag brach die gesamte Gruppe zur Fundorena auf – einem Indoor-Kletterpark, der bei dem anhaltenden Dauerregen die perfekte Alternative war. Hier kamen alle in Bewegung: Kinder, Jugendliche und auch die meisten Eltern wagten sich an Seilparcours und Balance-Stationen. Es wurde viel gelacht, angefeuert und mitgefiebert – und die eine oder andere persönliche Grenze mutig verschoben.

Nach dem Abendtreffen trafen sich die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu einer moderierten Austauschrunde. In einem geschützten Rahmen konnten die Kinder über ihre Erfahrungen, Gefühle und Alltagserlebnisse mit Tourette sprechen. Diese Runde wurde von vielen als besonders wertvoll erlebt – nicht zuletzt, weil es selten Gelegenheiten gibt, sich so offen mit Gleichaltrigen auszutauschen, die wirklich verstehen, wovon man spricht.

Der Abend klang in geselliger Runde aus. Bei Gesprächen, Getränken und einem gemütlichen Beisammensein wurde der Tag reflektiert und einfach genossen.


Samstag – Natur, Kreativität und Gemeinschaft
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Wildnisschule UrNatur, in Persona mit Diana Bleifuss und Johannes Zelser. Sie getalteten ein besonderes Naturerlebnis für Groß und Klein. Ausgestattet mit wetterfester Kleidung, Rucksäcken und Neugier zog die Gruppe in den Wald. Dort wurde gebaut, gewerkelt, entdeckt. Die Kinder errichteten liebevoll kleine Unterschlüpfe für ihre Kuscheltiere aus Naturmaterialien, während die Erwachsenen gemeinsam einen großen Shelter für die gesamte Gruppe bauten. Auch wenn der Regen unermüdlich auf das Blätterdach trommelte, war die Stimmung großartig. Vielleicht gerade, weil man sich gemeinsam durch Wind und Wetter kämpfte.

Am Nachmittag verwandelte sich der Gruppenraum in eine kreative Werkstatt: Mit viel Liebe zum Detail entstanden u. a. Anhänger aus Ton und Pflanzen, selbstgemachte Zahncremes, kleine Öllampen. Es wurde eine duftende Limonade aus Kräutern kreiert und gekocht. Diese wurde später heiß serviert und kam bei vielen wie ein wärmender Punsch an. Die Kinder gingen ganz in ihren Projekten auf, viele waren stolz, etwas Eigenes erschaffen zu haben.
Der Abend war einer der Höhepunkte des Wochenendes: Es wurde gemeinsam gegrillt, gespielt, gelacht. Die Kinder entzündeten ein Freuer in einer kleinen Feuerstelle, an der man sich versammeln konnte. Die Kinder und Eltern schlürften ihre heiße Kräuterlimonade, die wie ein Zaubertrank für gute Laune wirkte. Es war ein Abend mit vielen leuchtenden Augen und dem Gefühl, einfach dazu zu gehören.
In einer gemeinsamen Abschlussrunde kamen alle nochmals in einem Kreis zusammen. Viele Eltern äußerten, wie gut es getan habe, endlich einmal verstanden zu werden – ohne sich rechtfertigen zu müssen. Die Kinder berichteten von Lieblingsmomenten und davon, wie schön es war, „einfach normal“ zu sein – mit Tics, mit allem. Das Gefühl „Nie mehr allein mit Tics“ blieb nicht nur ein Motto, sondern wurde an diesem Wochenende gelebte Realität.


Sonntag – Abschied mit einem guten Gefühl
Am Sonntagmorgen hieß es Koffer packen, Betten abziehen – und sich langsam verabschieden. Es wurde zurückgeblickt, gelacht, manchmal auch leise geseufzt. Die einhellige Rückmeldung: Dieses Wochenende hat gezeigt, dass man mit Tics nicht allein ist. Und auch nie mehr allein sein muss.


Fazit

Das Wochenende war mehr als nur eine Auszeit. Es war ein geschützter Raum, in dem sich Familien mit dem Tourette-Syndrom begegnen, austauschen und gemeinsam wachsen konnten. Die Verbindung von erlebnispädagogischen Angeboten, fachlichem Austausch, Naturerfahrungen und kreativem Arbeiten schuf eine ganz besondere Atmosphäre, in der sich jeder gesehen und angenommen fühlen durfte.
Trotz des Regens blieb die Stimmung hell – getragen von Gemeinschaft, Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und vielen kleinen, unvergesslichen Momenten.
Der Wunsch nach einer Fortsetzung dieses Angebots war in der Abschlussrunde unüberhörbar. Und wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen.

Impressionen vom Workshop für 2025